Melle-Sondermühlen
St. Marien
St. Marien in Melle-Sondermühlen / kath.
offen
Diese Kirche, die meiner Wohnung am nächsten ist, die einzige, deren Glocken ich bei günstigem Wind zuhause durch den Wald hören kann, habe ich in all den fast 50 Jahren, in denen ich dort wohne, nur ein einziges Mal betreten. Denn sie ist katholisch und ich nicht.
So bin ich erregt, was mich erwartet.
Zuverlässig offen, wie fast alle katholischen Kirchen dieser Gegend kann ich einfach hineingehen und in ihr sein. Niemand ist anwesend und so kann ich mich dem Raum und der Situation einfach hingeben.
Eine Dorfkirche, von außen wie "Ein feste Burg ist unser Gott" anmutend - obwohl ja nicht protestantisch - und für den kleinen Ort Sondermühlen ein durchaus markantes Gebäude, ist sie innen in einem ländlichen Stil des letzten Jahrhundert gestaltet. Kunstvolle Schreinerarbeiten haben sich in den Holzbänken verwirklicht und Steinbildhauer in den Leidensweg-Reliefen, dem Altar und einer wunderschönen betenden Madonna.
Das einzige heutige Stilmittel sind die bunten Palmengewächse links und rechts des Altars.
Die sympathisch bescheidene Orgel wurde in eine Art gotischem Fensterbogen eingebaut.
Ich bin verwundert, wie frei sich mein Musik in dieser Kirche entfaltet. Das macht mich glücklich.
Dann fällt mein Blick auf die steinernen Tafeln der Kreuzigung mit den Trauernden. Gerade ist Israel von der Hamas überfallen worden und in der Ukraine tobt weiterhin der Krieg. Trauer seit Jahrtausenden, seit eh und jeh. Meine Musik wird zur Trauermusik, einsam in einer Dorfkirche.
Vorne die Namen der gefallenen Sodaten der beiden Weltkriege. Fast alles Namen, die ich aus meiner Nachbarschaft kenne.
Und die Welt hat nichts gelernt.
Demgegenüber eine Marienskulptur voller Fürsorge des polnischen Bildhauers Johann Jeczmyk von 1990.