Biografie

Geboren 1950 in Hamburg, am Cello aufgewachsen in einer Musikerfamilie in Vlotho, sucht Willem Schulz bereits als Schüler nach neuen und eigenen künstlerischen Wegen. Beeindruckt von Fluxus und Happening der 60er Jahre, experimentiert er neben seinem Musikstudium in Detmold mit der Frage, was denn Musik sei und was nicht. Spartenübergreifende Aktionskunst interessiert ihn ebenso wie die Einsetzbarkeit allen akustischen Materials in der Musik. In der Freien Improvisation erkennt er die kommunikative Bedeutung musikalischer Prozesse.

Als Mitglied der Gruppen NED mit Gerhard Stäbler und Max E. Keller sowie ENSEMBLE MUSICA NEGATIVA, Leitung Rainer Riehn und Heinz-Klaus Metzger, tritt er mit Neuer Musik in den frühen 70er Jahren in ganz Europa auf.

Gesellschaftspolitische Ansprüche lassen ihn dann in soziokulturell engagierte Projekte einsteigen: Er arbeitet 3 Jahre als Lehrer an der Bielefelder Laborschule und gründet 1976 das Kulturzentrum Wilde Rose in Melle, in dem er bis heute lebt und arbeitet. Einige Jahre beschäftigt er sich mit der Folklore anderer Völker, mit Zigeunermusik, Swing und Jazz: Musik für Feste und für den Spaß im menschlichen Zusammenleben.

Die Erkenntnis der Ganzheitlichkeit bzw. Komplexität der Wahrnehmungs- und Erlebnisprozesse prägt seine Projekte und Werke, als er Mitte der 80er Jahre die Arbeit an der Neuen Musik wieder aufnimmt: Musik in Raum und Zeit gestaltet, inszeniert in städtische Architektur oder natürliche Landschaft, im Morgengrauen oder um Mitternacht aufgeführt, ein ungewöhnliches soziales Ereignis. Neue Musik als eine Chance von freier "Forschung" in der Öffentlichkeit, auf der Straße mit den Menschen in Berührung gebracht als das, was sie sein könnte: eine Auseinandersetzung mit der heutigen Zeit.

So entstanden Kompositionen für kleine und große Besetzungen, Projekte, Stadt- und Landschaftsmusiken, Installationen, Walk-acts, Performances und Events ( s.u. ), die im In- und Ausland aufgeführt wurden und in den Medien ihr vielfaches Echo fanden. Es bildeten sich Gruppen wie Das erste improvisierende Streichorchester; das DEKADENZ - Trio mit Anke Züllich-Lisken (voc) und Gerd Lisken (p); die Zusammenarbeit mit Erneste Junge, Tanz, Marcello Monaco, Regie und Maria Otte, Fotografie in diversen Projekten. Zahlreiche weitere KünstlerInnen verschiedenartiger Couleur beteiligten sich an den oft außergewöhnlichen Produktionen. Mit der japanischen Butoh-Tänzerin Minako Seki unternahm er als musikalischer Performer weltweite Tourneen.

Außerdem gab Willem Schulz seine Erfahrungen in zahlreichen Seminaren als Dozent bei den Kulturpädagogen in der Universität Hildesheim, bei Studierenden der Universität Bielefeld, in der Laborschule Bielefeld , im Kulturzentrum Wilde Rose sowie in diversen Einrichtungen der kulturellen Bildung weiter.

Anfang 2005 übernahm er zusammen mit der Sängerin Edith Murasova den Vorsitz der Cooperativa Neue Musik Bielefeld. Mit dieser Organisation rief er auch die als Biennale stattfindende DIAGONALE, ein interdisziplinäres Neue-Musik-Festival ins Leben. 2014 inszenierte er zusammen mit Marcus Beuter eine Soziale Skulptur mit 800 Mitwirkenden über 3 km rings um den Bielefelder Obersee zum Thema SCHWÄRME.

Seit vielen Jahren arbeitet Willem Schulz als freischaffender Komponist und Musiker.

2001 erhielt er für sein bisheriges Schaffen den Kulturpreis des Landschaftsverbandes Osnabrück.

2002 gewährt das Nds. Ministerium für Wissenschaft und Kultur ihm ein Künstler-Stipendium des Landes Niedersachsen.


wdr3 - Portrait von Willem Schulz [AUDIO]